D: Vögel, die morgens twittern, holt abends die Katze 2.0?
Rubrik: NachrichtenT. Gawlick- 2B Advice GmbH - the privacy benchmark
Datenschutz im Zeitalter des Mitmach-Webs
Eine im Juni 2009 veröffentlichte Studie der Harvard Business School über das Verhalten von 300.000 zufällig ausgewählten Twitter-Anwendern belegt, dass nur 10% davon ständig Beiträge in die „Schwätz-Maschine“ einfüttern. Während diese Gruppe 90% der von der Gesamtgruppe verfassten „Tweets“ einstellte, verfasst der durchschnittliche Nutzer nur alle 74 Tage einen Micro-Blog und beschränkt sich ansonsten eher auf das Mitlesen von Nachrichten.
Dennoch, bei weltweit inwischen 32 Millionen registrierten Anwendern und spätestens seit dem vorzeitigen „Auszwitschern“ des Ergebnisses der Bundespräsidenten-Wahl im Mai 2009 sollten sich Unternehmen damit auseinandersetzen, was und wie von seinen Angestellten im Mitmach-Web veröffentlicht werden darf. Bedingt dadurch, dass nur relativ wenige Teilnehmer schreiben, aber viele mitlesen, haben unbedacht veröffentlichte Insider-Nachrichten einen wesentlich höheren Aufmerksamkeits-Wert als bei der klassischen E-Mail. Hinzu kommt, dass die Nachrichten üblicherweise von privaten Geräten der Angestellten aus ohne Beteiligung der firmeneigenen IT geschrieben werden und somit von den Anwendern als Mittel ihrer freien – gerade auch der kritischen - Meinungsäußerung verstanden werden.
Außer dem oben beschriebenen Vorgang bei der Bundespräsidenten-Wahl ist zumindest in Deutschland noch kein Fall bekannt geworden, der für alle Beteiligten richtig peinlich wurde und letztlich dazu führte, dass der Twitterer seinen Schreibtisch räumen musste. Dennoch sollten Unternehmen dieses zum Anlass nehmen, möglichst bald das Thema Mitmach-Web anzugehen und Leitlinien ausarbeiten, wie mit den neuen Möglichkeiten der Selbst-Publikation umzugehen ist.
Ferner ist empfehlenswert, eine Klassifizierung von Daten einzuführen. Es muss klar festgelegt sein, wie mit bestimmten Daten umzugehen ist, welchen Schutzbedarf sie haben und vor allem, unter welchen Umständen sie an wen weitergegeben werden dürfen. Datenschutz fokussiert sich in der klassischen Form zwar vorrangig auf den Schutz personenbezogener Daten, sollte aber im Zeitalter des Mitmach-Webs ganzheitlich auf den Datenbestand einer Organisation angewendet werden.

