D: 11. Verleihung der BigBrotherAwards 2011 - Die Oscars für Datenkraken
Rubrik: NachrichtenM. Katzmann - 2B Advice GmbH - the privacy benchmark
Dieses Jahr wurden nun schon zum 11. Mal die deutschen BigBrotherAwards für besondere Vergehen im Bereich Datenschutz verliehen. Es wurden Awards in den Bereichen Politik, Arbeitswelt, Behörden und Verwaltung, Kommunikation, Technik und Verbraucherschutz vergeben. Die Gewinner des Negativ-Preises wurden am Freitag den 01.04.2011 in Bielefeld bekannt gegeben.
Den BigBrotherAward 2011 in der Kategorie „Politik“ erhielt der Niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) für den Einsatz einer geheimen Mini-Polizeidrohne während der Massenproteste gegen den Castortransport im Wendland im November 2010. Dieser war so geheim, dass ihr Einsatz nicht einmal mehr einer datenschutzrechtlichen Überprüfung durch den zuständigen Landesdatenschutzbeauftragten unterzogen werden konnte.
Den BigBrotherAward 2011 in der Kategorie „Arbeitswelt“ erhielt der Deutsche Zoll (Bundesministerium für Finanzen) für die eingeräumte Bevorzugung deutscher Unternehmen im Import- und Exportgeschäft, die sich als „Sicherer Export-Dienstanbieter“ (SED) zertifizieren lassen und dadurch ihre Mitarbeiter mit russischen Antiterrorlisten abgleichen. Die Teilnahme an der SED-Zertifizierung wird von der deutschen Zollverwaltung empfohlen, denn ohne diese Zertifizierung sei die Gefahr, öfters kontrolliert zu werden, größer. Alle nötigen Formulare und Erklärungen erhält man über die Internetseiten der deutschen Zollverwaltung. Für dieses Vorgehen der deutschen Zollverwaltung existiert bis jetzt keine datenschutzkonforme Rechtsgrundlage.
Ebenfalls einen Award in der Kategorie „Arbeitswelt“ erhielt die Daimler AG stellvertretend für alle Unternehmen, die Blutproben von Bewerbern bei Einstellungsuntersuchungen fordern. Bis Ende 2009 wurden diese bei der Daimler AG von jedem potenziellen neuen Mitarbeiter verlangt.
In der Kategorie „Behörden und Verwaltung“ wurde der Award - stellvertretend für alle Beteiligten - an den Vorsitzenden der Zensuskommission, Herrn Prof. Dr. Gert G. Wagner, verliehen. Beim „Zensus 11“ (Volkszählung 2011) wird die Datenspeicherung kritisiert, aber auch die Verknüpfung von Daten der Volkszählung mit den Daten der Bundesagentur für Arbeit und den Melderegistern. Hierzu ein Zitat von Herrn Prof. Dr. Wagner vom 3. März 2011 im Handelsblatt: „Beim Zensus werden doch vergleichsweise langweilige Daten erhoben. Für Marketing-Zwecke etwa sind die total ungeeignet.“! 82 Millionen Adressen, Namen, Altersangaben, Familienstände, Berufe und andere Angaben sind Daten, die gerade für den Adresshandel, von großem Wert sind.
Zwei Awards wurden in der Kategorie „Kommunikation“ verliehen. Facebook und die Apple GmbH in München erhielten je einen Award für ihre unübertroffene Datensammelwut.
Der Verlag für Wissen und Innovation in Starnberg erhielt den BigBrotherAward in der Kategorie „Verbraucherschutz“, weil er für Büchergutscheine die Adressdaten von Schülern und Eltern verlangt.
Für den versteckten Einsatz von RFID-Chips unter dem Label-Etikett erhält die Modemarke Peuterey, vertreten durch den deutschen Vertreiber, die Düsseldorfer Modeagentur „Torsten Müller“ den BigBrotherAward in der Kategorie „Technik“.
Weitere Informationen: www.bigbrotherawards.de/2011
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Zusammenarbeit mit 2B ADVICE."
Konzern-Datenschutzbeauftragte
