EU: Vize-Präsidentin fordert Maßnahmen zur Vertrauensbildung beim Online-Targeting
Rubrik: NachrichtenM. Schröder - 2B Advice GmbH - the privacy benchmark
Frau Neelie Kroes, die Vize-Präsidentin der Europäischen Kommission und Verantwortliche für die „Digital Agenda“, fordert in einer Rede die Wirtschaft auf, geeignete Maßnahmen zu treffen, um das Vertrauen der Internet-Nutzer in den rechtmäßigen Umgang mit ihren personenbezogenen Daten beim Online-Targeting zu stärken.
Frau Kroes stellt in Ihrer Rede anlässlich des Online Tracking Protection & Browsers Workshops in Brüssel fest, dass die in der so genannten eDirective vorgenommen Änderungen nicht umfassend umgesetzt seien. Erst fünf Mitgliedsstaaten berichteten über Schritte zur Umsetzung. Die Änderung der eDirective betraf auch den Umgang mit Cookies, wie sie etwa beim Online-Targeting zum Einsatz kommen.
Online Targeting ermöglicht es Unternehmen, Werbung auf einzelne Nutzer abzustimmen und so Streuverluste bei Werbemaßnahmen zu vermeiden. Eine Stufe weiter geht das Tracking, das beispielsweise dafür sorgt, dass der Nutzer über verschiedene Internet-Seiten hinweg mit gleicher Werbung konfrontiert wird. Neben Cookies kommen hierfür auch Browser -Add-Ons oder „Browser-Fingerprinting“ zum Einsatz.
Frau Kroes setzt zunächst auf die Selbstregulierung der Werbewirtschaft, insbesondere durch Anbieter des so genannten „Behavioural Advertisings“. Wesentliche Elemente seien hier Transparenz, Selbstregulierung und neue Techniken. Keinesfalls genüge es, sich darauf zurückzuziehen, der Nutzer könne Cookies in seinem Browser deaktivieren.
Sie begrüßt Initiativen, die zielgerichtete Werbung mit einem entsprechenden Symbol kennzeichnen und über das der Nutzer bei einem Klick weitere Informationen über die Art und Weise des Targetings sowie die Möglichkeit zum „Opt-Out“ erhält.
Auch Techniken wie „Do-Not-Track“ (DNT) wiesen in die richtige Richtung. Die hierfür erforderlichen Standards müssen allerdings noch geschaffen werden. Nutzer können beim DNT im Browser festlegen, nicht „verfolgt“ zu werden. Seitenbetreiber können diese Information dann auslesen und entsprechende Tracking-Maßnahmen unterlassen. Frau Kroes fordert die Beteiligten auf, bis Juni 2012 einen DNT-Standard zu verbschieden.
Sollten die Ansätze der Selbstregulierung nicht zu einer spürbaren Verbesserung führen, so kündigt Frau Kroes bereits an, alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen, um dem Datenschutz auch in diesem Bereich Geltung zu verschaffen.
Unternehmen dieser Branche sollten sich also zusammenfinden und die Chance der Selbstregulierung nutzen. Gefordert sind klare, einheitliche und vor allem verbindliche Standards. Verpassen die Unternehmen die Gelegenheit, wird der Gesetzgeber die regulatorische Lücke nach seinen Vorstellungen füllen. Gegenüber der oft langwierigen Praxis der Gesetzgebung, kann eine entsprechende Selbstverpflichtung für Unternehmen aber auch für Betroffene deutlich schneller zu klaren Strukturen führen.
Weitere Informationen:
europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do
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